Jehuda Bacon - Zeitzeuge und Künstler - zu Besuch in der NMS Gunskirchen

Jehuda Bacon beeindruckte uns mit seinen Kunstwerken, die an der Landesmusikschule Gunskirchen in einer Ausstellung zu sehen waren.

 

Noch mehr aber beeindruckte die großartige Persönlichkeit Jehuda Bacon, der in seiner Jugend verschiedene Konzentrationslager erleben musste. Seine letzte Station vor der Befreiung war das KZ-Nebenlager in Gunskirchen.

 

Es ist erstaunlich, dass ein Mensch, der so Schreckliches erlebt hat, nicht anklagt, sondern so positiv auftritt – liebevoll, ermutigend, ergreifend menschlich! Er hat uns berührt und bewegt.

Er spricht davon, dass es eine Gnade war, Premysl Pitter zu begegnen, der sich nach dem Krieg seiner und anderer verwaister Kinder annahm.

Wir empfanden es ebenso, Jeduda Bacon kennengelernt zu haben.

 

Vielen Dank, Jehuda Bacon!

 

Die Schülerinnen uns Schüler der 4. Klassen haben in Bildnerischer Erziehung Jehuda Bacons Kunstwerke nachempfunden. Die Arbeiten sind an der NMS Gunskirchen zu sehen. Einige SchülerInnen haben sogar in ihrer Freizeit an mehreren Nachmittagen in spezieller Technik weitergearbeitet.

 

Danke für das Interesse!

 

Film über Jehuda Bacon - von Kurt und Angelika Schlackl

Ein paar Auszüge aus Jehuda Bacons Worten:

 

In jedem Menschen ist – jeder nennt es anders – auch ein göttlicher Teil. Und diesen göttlichen Teil, den kann man nicht vernichten. In allen Religionen, bei allen Menschen: Jeder von uns hat einen göttlichen Funken. Nichts kann existieren ohne ihn. Auch die größten Bösewichte oder das letzte Atom hat so etwas wie einen göttlichen Ursprung.

 

Wir haben vieles gemeinsam, auch mit den sogenannten Fremden. Wenn wir sie näher kennenlernen, erkennen wir plötzlich, dass sie uns so nahe sind, und wir können ihre Freunde sein und jeder auf seine Weise ihnen weiterhelfen auf ihrem Weg.

Man lebt nicht nur für sich, man lebt für alle, weil wir alle sind Menschen.

 

Erst langsam, langsam hat die Güte dieses Erziehers (Přemysl Pitter) wieder Menschen aus uns gemacht. Das geht nicht von einem Tag zum andern, das ging ganz langsam. Durch seine Liebe und sein Vertrauen hat er uns den Glauben an die Menschen wieder zurückgegeben.

Was für ein Mensch er war! Es ist eine Gnade, wenn man im Leben solche Menschen kennenlernt.

 

Ich kam zurück, hatte niemanden, und fragte mich – auf eine kindliche Weise – was ist der Sinn des Lebens? Was soll ich tun? Ich habe das und das erlebt – was KANN man noch tun? Hat das Leben Sinn? Ich will versuchen, es irgendwie besser zu machen, ich möchte nicht, dass andere Kinder leiden sollen. Da war so ein naiver Kinderglaube:"Wenn ich das erzähle, dann wird der andere besser."

Aber so ist es leider nicht im Leben, und sie konnten auch nicht zuhören, also was tut man? Man versucht einen anderen Weg. Man versucht zu schreiben - einige wurden große Dichter oder Schriftsteller - oder man versucht zu zeichnen (ihr habt einige Beispiele gesehen), um diese Brücke zu bauen zwischen den andern und mir, zwischen der Vergangenheit und mir. Jeder lernte vom anderen, aber das braucht viel Zeit, viel Geduld, und viel Erfahrung.

Das wollte ich euch zeigen, dass es in jedem Menschen so etwas gibt, wo wir ihm helfen können, jeder auf seine Weise.

 

Auch wenn wir verschiedene Länder bewohnen, verschiedene Sprachen sprechen – wir haben etwas Gemeinsames. Und dieses Gemeinsame müssen wir versuchen, auch bei den andern zu sehen. Und das hilft uns hoffentlich, besser weiterzuleben; das hilft uns, diese Brücken zu bauen.

 

Mehr aus dem Gespräch mit Jehuda Bacon...
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Jehuda Bacon bei der Finissage

Rede Dr. Robert Eiter

zur Finissage der Ausstellung „Ich bin Jehuda Bacon“

 

am Freitag, dem 13. Mai, um 19.00 Uhr in der Landesmusikschule Gunskirchen

 

Verehrter Herr Professor Bacon!

Liebes Ehepaar Schlackl!

Sehr geehrter Herr Bezirkshauptmann!

Sehr geehrter Herr Bürgermeister!

Meine Damen und Herren!

Liebe Freunde!

 

Manfred Scheuer, der neue katholische Diözesanbischof, setzt sich seit vielen Jahren mit dem Nationalsozialismus und seinen Opfern auseinander. Er war auch ganz wesentlich an der Seligsprechung des hingerichteten NS-Gegners und Kriegsdienstverweigerers Franz Jägerstätter beteiligt. Unlängst habe ich Bischof Scheuer gefragt, was er denn jenen sage, die an die Verbrechen des Faschismus nicht mehr erinnert werden wollen. Er hat mir mit einem Satz des deutsch-jüdischen Philosophen Theodor Adorno geantwortet: „Das Vergessen ist der Marsch in die Barbarei.“

 

„Der Marsch in die Barbarei …“ – er hat schon wieder begonnen. Ich sage das sehr bewusst. Österreich und die meisten anderen europäischen Länder sind zwar vom Massenelend der 1930er Jahre weit entfernt. Trotzdem macht sich – gefördert durch die hohe Arbeitslosigkeit und eine immer ungleichere Verteilung der Lebenschancen – wieder eine intolerante, neiderfüllte, aggressive, nationalistische und fremdenfeindliche Geisteshaltung breit, die meint, den eigenen Vorteil nur auf Kosten anderer und besonders auf Kosten von Minderheiten und Schwachen durchsetzen zu können. Nicht zufällig wurde der einschlägige Kampfbegriff „Gutmensch“,  der menschliches Mitgefühl, Solidarität und Hilfsbereitschaft verhöhnt, zum „Unwort des Jahres 2015“ gewählt.

 

Die erwähnte Geisteshaltung tritt in zwei Gestalten auf: In einer legalen, nämlich der Stimmabgabe vielen Wählerinnen und Wähler für weit rechts stehende Parteien, die einen autoritären Nationalismus propagieren. Das Argument, das gehöre halt auch zur Demokratie und werde bei den nächsten Wahlen schon repariert werden, führt sich spätestens dann ad absurdum, wenn solche Parteien Grundrechte einschränken und ihre Herrschaft durch teilweise handstreichartige Verfassungsänderungen dauerhaft einzementieren. Solche Vorgänge sind keine vagen Befürchtungen, sondern bereits in zwei EU-Staaten traurige Realität. Von den Vorgängen in Russland und in der Türkei ganz zu schweigen.

 

Es müssen deshalb alle Alarmglocken schrillen, wenn ein österreichischer Präsidentschaftskandidat offen droht, man werde sich „wundern“, wie er die bisher ungenutzte Machtfülle des Bundespräsidenten praktisch einsetzen werde. Nicht die formelle Abschaffung, aber die gezielte Aushöhlung der Demokratie und des Rechtsstaates, verbunden mit einem massiven Sozialabbau, ist auch in unserem Land zu einer ernsthaften Gefahr geworden. Große Teile Europas könnten von einer autoritären und nationalistischen Wende erfasst werden. Leider fehlt es bei den sozialdemokratischen und christdemokratischen Parteien vielfach an einem Bewusstsein für diese Gefahr. Nicht wenige in diesen Parteien glauben, es gelte, sich an die derzeit  erfolgreichen Rechtsaußen-Kräfte anzupassen und anzubiedern. Tatsächlich ist das der sichere Weg zur Selbstaufgabe und in den Untergang.

 

Auch die zweite Erscheinungsform der aggressiv-nationalistischen Geisteshaltung nimmt sprunghaft zu: Allein von 2014 auf 2015 stieg die Zahl der rechtsextremen und rassistischen Straftaten bundesweit von 750 auf 1156, also um 54 Prozent! Das ist kein Ausreißer, sondern ein immer stärkerer Trend: In den letzten zehn Jahren haben sich diese Delikte mehr als verfünffacht. Oberösterreich liegt bei der Zunahme an der Spitze aller Bundesländer. Von 2014 auf 2015 hat sich die Zahl von 109 auf 202 erhöht – ein Anstieg um gleich 85 Prozent in nur einem Jahr. Die häufigsten Delikte, Verhetzung und NS-Propaganda, schüren Hass und Gewalt. Daraus folgen dann die anderen Straftaten: unter anderem Mord, Mordversuch, Brandstiftung, Körperverletzung, Gedenkstättenschändung sowie Anschläge auf Kirchen und Moscheen. Jedes diese Verbrechen haben Neonazis während der letzten Jahre begangen, in Oberösterreich und in anderen Bundesländern.

 

Bis vor kurzer Zeit wurde der Rechtsextremismus von den meisten Verantwortlichen in der Politik, den Sicherheitsbehörden und der Justiz völlig verharmlost. Die beharrlichen Warnungen des Mauthausen Komitees wurden ignoriert. Das war wie eine Ermunterung für die Ewiggestrigen. Innenminister Sobotka und Justizminister Brandstetter betonen jetzt, dass sie die braune Kriminalität wirksam bekämpfen wollen. In Oberösterreich schweigen die Verantwortlichen leider immer noch. Erst gestern hat die Mehrheit im Landtag einen Dringlichkeitsantrag über Maßnahmen gegen Rechtsextremismus an einen Unterausschuss verwiesen und damit auf die lange Bank geschoben. 

 

Wenn wir Demokratie und Menschenrechte erfolgreich verteidigen, wenn wir den neuen Marsch in die Barbarei stoppen wollen, brauchen wir Standfestigkeit und Zivilcourage. Unerlässlich dafür ist aber auch das Zeugnis der Holocaust-Überlebenden, von Menschen wie Jehuda Bacon, vor denen wir uns in tiefem Respekt verneigen. Gerade Jehuda Bacon verkörpert für mich die Antithese zum Vergessen: als Überlebender mehrerer Konzentrationslager, als wichtiger Zeuge der Gerichte im Eichmann- und im Auschwitz-Prozess, als Zeitzeuge in Büchern, Filmen und vielen persönlichen Begegnungen, und nicht zuletzt natürlich als Künstler mit einem berührenden Schaffen, von dem uns diese Ausstellung einen Eindruck gibt. Ich bewundere angesichts seines leidvollen Schicksals als Jugendlicher und angesichts der Opfer in seiner Familie, dass er Hass und Bitterkeit von sich fernhalten konnte – eine unglaubliche menschliche Leistung. Namens des Mauthausen Komitees Österreich danke ich Jehuda Bacon sehr herzlich für sein Lebenswerk und dafür, dass er die Mühe des Weges von Israel nach Gunskirchen, dem Ort seiner Befreiung, auf sich genommen hat!

 

Danken möchte ich aber auch all jenen, deren großer Einsatz diese Ausstellung und dieses Zeitzeugengespräch ermöglicht haben: der KZ-Gedenkstätte Mauthausen mit Angelika Schlackl und ihrem Ehemann Kurt Schlackl, der Marktgemeinde Gunskirchen mit Bürgermeister Josef Sturmair, Vizebürgermeister Fritz Nagl und Amtsleiter Mag. Erwin Stürzlinger, der Neuen Mittelschule Gunskirchen mit ihren hochengagierten Lehrerinnen und Lehrern sowie Schülerinnen und Schülern, den „Christen an der Seite Israels“, der Rhema-Gemeinde Linz und schließlich der Welser Initiative gegen Faschismus.

 

Erlauben Sie mir, auch noch einem Abwesenden zu danken, der entscheidend zum Zustandekommen der Ausstellung beigetragen hat: Als ich Kurt Scholz, den Vorsitzenden des Zukunftsfonds Österreich, gefragt habe, ob der Fonds von den 5000 Euro Fremdfinanzierungsbedarf 2000 Euro übernehmen könne, meinte er, er beobachte die antifaschistische Arbeit in und um Wels schon lange. Er sei von ihrer Qualität so überzeugt, dass er eine Subvention über die gesamten 5000 Euro vorschlagen werde. Dieses Versprechen hat Kurt Scholz gehalten und das Kuratorium des Zukunftsfonds hat den notwendigen Beschluss einstimmig gefasst.

 

Veranstaltungen wie die heutige Finissage und die morgige Gedenkfeier geben uns Kraft, gegen die aufkommende Menschenverachtung entschlossenen Widerstand zu leisten.

 

Nie wieder Faschismus!

Rede zur Finissage der Ausstellung "Ich bin Jehuda Bacon"
Rede Dr. Robert Eiter.pdf
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